FERNSEH-APPELL

GOOD NIGHT and GOOD LUCK

Mit den Worten von Edward R. Murrow

Edward R. Murrow war ein amerikanischer Journalist, der sich Anfang der 50iger Jahre für eine unabhängige Vermittlung politischer Nachrichten im Fernsehen einsetzte. Seine Kommentar-Sendung SEE IT NOW auf CBS wurde unter anderem wegen der mutigen Hintergrundberichterstattung über Senator McCarthys aberwitzige Versuche, Amerika von den Kommunisten zu befreien, bekannt. Damals gab es in den USA drei große Fernsehsender. Über die Entwicklungen dieser Zeit handelt der Film GOOD NIGHT AND GOOD LUCK. Das waren gleichzeitig auch die Schlussworte von Edward R. Murrow in jeder Sendung. Clooney verarbeitete in seiner zweiten Filmregie seinen persönlichen Standpunkt, dass wir nicht mehr, die uns vermittelten Informationen in unser eigenes soziales und politisches Denken einarbeiten, verarbeiteten und uns dann eine eigene Meinung bilden, sondern nach genau den Meldungen suchen, die unseren Standpunkt untermauern und bestätigen. Wir hinterfragen kaum noch und so ermöglichen wir das Verschwinden einer allgemeinverbindlichen Wahrheit, von der wir alle ausgehen und unsere Meinung bilden können. In dem Film wird eine überaus beeindruckende Rede des Fernsehjournalisten Edward R. Murrow gezeigt, die auch heute absolut gültig ist. Deutsche Fernsehsender sollten diese Worte gut auf sich wirken lassen und mit dem Programm vergleichen, dass sie uns auf die heimsche Mattscheibe schicken. 

„Was ich jetzt sage, gefällt bestimmt nicht jeden.
Am Ende dieses Diskurses bezichtigen vermutliche etliche Leute diesen Reporter,
er beschmutze sein eigenes behagliches Nest.

Und ihre Organisation wird vielleicht bezichtigt, ketzerischen und gefährlichen Ideen
Tür und Tor geöffnet zu haben, in dem sie mich einlud.

Aber dadurch wird das kunstvolle Geflecht aus Sendern, Werbeagenturen und Sponsoren weder erschüttert noch verändert werden.
Es ist mein Wunsch, wenn nicht gar meine Pflicht, hier ganz offen zu meinen Weggefährten über das zu sprechen, was mit Radio und Fernsehen geschieht.
Und wenn das, was ich sage, von Verantwortung zeugt,
trag‘ ich allein die Verantwortung dafür, dass ich es sage.

Unsere Geschichte wird das sein, was wir aus ihr machen.
Und sollte es in 50 oder 100 Jahren Historiker geben, und sollten die Kinoskop-Aufzeichnungen einer Woche von allen drei Sendern erhalten geblieben sein, finden die Historiker in Schwarz und Weiß und in Farbe Beweise für Dekandez, Eskapismus und Abschottung von den Tatsachen der Welt, in der wir leben.
Wir sind zur Zeit wohlhabend, fett, bequem und selbstgefällig.
Wir haben eine anerzogene Allergie gegen unangenehme oder verstörende Informationen. Unsere Massenmedien spiegeln das wieder.
Und wenn wir uns nicht von unseren fetten Hinterteilen erheben und erkennen,
dass das Fernsehen hauptsächlich dazu benutzt wird, uns abzulenken, irre zu führen,
zu amüsieren und zu isolieren, werden das Fernsehen und die, die es finanzieren,
die sich’s ansehen und die dran arbeiten,
sich vielleicht zu spät ein anderes Bild machen.

Zu Beginn meiner Rede sagte ich,
dass unsere Geschichte das sein wird, was wir auch ihr machen.

Wenn wir fortfahren wie bisher, dann wird die Geschichte Rache nehmen und die Vergeltung wird ihr auf dem Fuße folgen.
Lassen Sie uns hin und wieder die Bedeutung von Ideen und Informationen hervorheben. Lassen Sie uns davon träumen, dass es möglich ist, irgend einen Sonntagabend, der normalerweise Ed Sullivan vorbehalten ist, eine eingehenden Prüfung des Zustand der amerikanischen Bildung zu widmen.
Und eins zwei Wochen später, eine Sendezeit, die normalerweise Steve Allen gehört, einer umfassenden Studie der amerikanischen Politik im nahen Osten zu widmen.
Würde wohl das Image der entsprechenden Sponsoren dadurch beschädigt werden?
Würde die Anteilseigener sich etwa in ihrem Zorn erheben und beklagen?
Würde irgendetwas anderes passieren, als dass ein paar Millionen Menschen ein wenig Erleuchtung erhalten hätten, über Themen, die sehr wohl die Zukunft dieses Landes bestimmen können und demzufolge auch die Zukunft dieser Unternehmen?
Jene, die sagen, das Publikum würde sich das nicht ansehen, es wäre zu selbstgefällig, zu gleichgültig und zu isoliert, kann ich nur erwidern, dass ein Reporter der Meinung ist, aus gutem Grund dieser Behauptung widersprechen zu können.
Aber selbst, wenn jene recht hätten?
Was hätten sie zu verlieren?
Denn falls sie Recht haben, und dieses Instrument Fernsehen zu nichts anderem taugt als zu unterhalten, abzulenken und zu isolieren, dann fängt die Fernsehröhre an zu flackern und wir werden bald sehen, dass der ganze Kampf verloren ist.
Dieses Instrument kann lehren, es kann aufklären, ja es kann sogar inspirieren,
aber das kann es nur in dem Maße, in dem Menschen entschlossen sind,
es genau zu diesen Zwecken einzusetzen.
Andernfalls sind es nur viele Kabel und Leuchten in einem Schrank.“

(Zitat: GOOD NIGHT AND GOOD LUCK, Regie: George Clooney)

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