ALJAZEERA

DIE VERLORENE INSEL ARABISCHER MEINUNGSFREIHEIT

Staatsfernsehen.
So wird das TV-Flimmern genannt, welches seitens der Regierung eines Landes überwacht und nichts zuletzt kontrolliert wird. Somit dient es nicht der Unterhaltung, sondern der Propaganda. Bis 1996 informierte das Staatsfernsehen in der arabischen Welt über aktuelle Zeitgeschehen. Doch dann tauchte im Ozean der einseitigen Nachrichten ALJAZEERA auf.
Ein arabischer TV-Sender, der ernst genommen werden wollte.
Eine Insel für freie Informationen, Diskussionen und Meinungen.
Sein Gründer, der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Khalifa Al Than, beeindruckte westlichen Medien mit seiner Idee einer Berichterstattung ohne Zensur.
Damals, eine Einzigartigkeit.
Eine Sensation.
Das alles ohne staatlichen Einfluss.
Bis jetzt.

                                                                 

Vor ein paar Tagen zündeten Demonstranten ein Büro des arabischen TV-Senders in der Nähe des Tahrir-Platzes in Kairo an. Ein Protest gegen den neuen Machtinhaber, aber auch ein Protest gegen ALJAZEERA. Sein Ruf als unabhängige, unparteiische Instanz bröckelt wie die Fassade des Live-Studios am Tahrir-Platz. Immer öfter werden Vorwürfe gegen seinen Gründer laut. So tuschelt man auf den Straßen, der Sender vertrete die politische Meinung des Emir von Katar und sei nicht mehr wahrhaft objektiv. Kritische Beobachter vermuten schon lange eine Instrumentalisierung des arabischen Medien- sterns ALJAZEERA.

                                                                 

Seit seiner Erstausstrahlung am 01. November 1996 entwickelte sich der arabische TV-Sender immer vorwärts. Mittlerweile sendet er aus 65 Ländern und erreicht 200 Millionen Zuschauer. Doch die Zahl seiner Journalisten sinkt. Dabei sind sie das eigentliche Leuchtfeuer, denn internationaler könnten Reporter nicht sein. Aus allen Ecken der Welt strömen Journalisten zu ALJAZEERA, interviewen kritische Stimmen und berichten hautnah am Geschehen.
Damals und heute.
Zu jeder Zeit.
Eine beeindruckende Leistung.
Während des Arabischen Frühlings zum Beispiel berichtete ALJAZEERA 24 Stunden live. Unsere Medien konnten da natürlich nicht mithalten. Inzwischen gehört der arabische, immer gut informierte TV-Sender zur anerkannten Presse. Gern greifen wir auf die von Ihnen gelieferte Berichterstattung zurück. So war ALJAZEERA auch die erste Quelle, als es um Berichte ging, die über die Unruhen in Tunesien oder den blutigen Versuch, die Proteste in Syrien niederzuschlagen, informierten. ALJAZEERA-Journalisten blieben und bleiben vor Ort, auch wenn es gefährlich oder brenzlig wird. Nicht allzu selten werden sie gejagt, lassen und ließen sich jedoch nie so leicht abschrecken.
Bis heute.

                                                                  

Nach nun mehr als 16 Jahren beklagen immer mehr Reporter, dass ihre journalistischen Grundsätze nicht mehr geachtet werden und der Gründer von ALJAZEERA in die Auswahl der Interview-Gäste und der Programmgestaltung eingreife. Im April 2012 tauchte in der britischen Tageszeitung THE GUARDIAN ein Artikel des libanesischen Journalisten Ali Hashem auf. Im März hatte er seinen vorherigen Arbeitgeber, ALJAZEERA, verlassen. In seinem Artikel für den GUARDIAN prangerte er eine scheinbar selektive Berichterstattung aus Syrien an. Angeblich hätte der arabische TV-Sender sich geweigert, seinen doch eher kritischen Bericht über bewaffnete syrische Revolutionäre an der Grenze zum Libanon zu senden. Als Grund für diese Entscheidung sieht Ali Haschem die politische Stellung des Emir von Katar. Scheinbar stehe dieser auf der Seite der syrischen Rebellen und somit auch sein Lebenswerk ALJAZEERA.

                                                                   

Die Insel der arabischen Nachrichtenfreiheit hat wohl seine Unabhängigkeit von der restlichen arabischen Meinungswelt endgültig eingebüsst. Es ist zwar nicht verwerflich, öffentlich Stellung zu beziehen, aber, andere Meinungen auszusperren, um so seiner politischen Haltung Feuerschutz zu bieten. Unverständlich, warum gerade der Emir von Katar zu solch einem Machtmissbrauch greift. 1996 war er es schließlich, der einer unabhängigen Berichterstattung über die Ereignisse in der arabischen Welt Raum und Kraft verlieh, indem er 17 entlassene BBC-Mitarbeiter, die zuvor bei dem arabischen Gemeinschaftssender der BBC und dem saudischen Medienkonzern ORBIT gearbeitet hatten, einstellte und einen neuen unabhängigen TV-Sender gründete. ALJAZEERA lehnte sich gegen die Schließung des BBC-Gemeinschaftssenders durch die saudische Regierung auf. Damals bezog Scheich Hamad bin Khalifa Al Than eine freiheitliche Stellung. Damals hatte er den Mut und die Weltoffenheit, jeder kritischen Meinung fortan ein Zuhause zu geben: ALJAZEERA, die Insel.

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